Haushalt mit vier Kindern:
Wie wir das tägliche Chaos im Griff behalten
Sechs Menschen in einem Haus machen erstaunlich viel Dreck. Und noch erstaunlicher finde ich, wie schnell ein Raum, den ich gerade erst aufgeräumt habe, wieder aussehen kann, als hätte dort seit drei Wochen niemand mehr irgendetwas weggeräumt.
Vier Kinder bedeuten bei uns schließlich nicht nur vier Kinderzimmer. Es sind vier Schultaschen, Sportsachen, Schuhe, Jacken, Trinkflaschen, Brotdosen und gefühlt 700 Gläser, die jeden Tag irgendwo im Haus auftauchen. Dazu kommen Wäscheberge, ein ständig benutztes Badezimmer – beziehungsweise bei uns gleich drei davon – und natürlich eine Küche, die eigentlich nur wenige Minuten am Tag wirklich komplett aufgeräumt ist.
Trotzdem würde ich unseren Haushalt nicht als völliges Chaos bezeichnen. Zumindest meistens nicht.
Wir haben nur irgendwann aufgehört zu versuchen, ihn perfekt zu führen.
Unser Haushalt muss vor allem funktionieren
Früher hatte ich irgendwie stärker das Gefühl, dass ein aufgeräumtes Haus auch wirklich aufgeräumt aussehen muss. Heute sehe ich das etwas anders.
Natürlich mag ich Ordnung. Ich möchte nicht ständig über Schuhe stolpern und ich finde es auch nicht besonders schön, wenn sich auf der Küchenarbeitsplatte alles stapelt. Aber mit vier Kindern gibt es einfach einen Unterschied zwischen einem unordentlichen Haushalt und einem bewohnten Zuhause.
Bei uns liegen Dinge herum.
Auf dem Tisch stehen manchmal noch Gläser. Im Flur stehen mehr Schuhe, als dort eigentlich stehen sollten. Im Wohnzimmer findet man Sportsachen und im Kinderzimmer möchte ich gelegentlich lieber gar nicht so genau wissen, was sich unter dem Bett befindet.
Solange wir grundsätzlich wissen, wo unsere Sachen sind, morgens alle halbwegs pünktlich aus dem Haus kommen und nicht erst einen Berg Wäsche vom Sofa räumen müssen, bevor wir uns hinsetzen können, ist für mich schon ziemlich viel erreicht.
Ich mache lieber ständig ein bisschen als einmal alles
Unsere Wochen sind mit Schule, Arbeit, Fußball, Handball und den ganzen anderen Terminen ziemlich voll. Wenn ich dann noch einen halben Samstag ausschließlich für den Haushalt reservieren müsste, hätte ich vermutlich spätestens nach zwei Wochen keine Lust mehr darauf.
Deshalb erledige ich viele Dinge nebenbei.
Morgens läuft beispielsweise häufig schon die erste Waschmaschine, während die Kinder sich für die Schule fertig machen und mein Rechner hochfährt. Wenn ich sowieso in der Küche bin, räume ich dort etwas weg. Das Bad wird zwischendurch gemacht und wenn irgendwo gerade besonders viel Chaos entstanden ist, ist eben dieser Raum als Nächstes dran.
Das klingt nicht besonders ausgeklügelt.
Ist es auch nicht.
Aber genau deshalb funktioniert es bei uns.
Samstags wird bei uns gründlicher geputzt
Ganz ohne festen Putztag funktioniert es bei uns allerdings auch nicht. Unter der Woche erledige ich vieles nebenbei, aber für die Dinge, die etwas mehr Zeit brauchen, hat sich bei uns der Samstag eingespielt.
Meistens geht es nach dem Fußball los, wenn sowieso alle zu Hause sind. Und dann müssen auch alle ein bisschen mit ran. Bevor gesaugt wird, sind die Kinder dafür zuständig, ihre Böden so weit aufzuräumen, dass weder Spielzeug noch irgendwelche Kleinteile im Staubsauger verschwinden. Allein das kann je nach Kinderzimmer schon eine Aufgabe für sich sein.
Samstags wird dann bei uns gründlich gesaugt, Staub gewischt und anschließend werden die Böden gewischt. Auch die Badezimmer bekommen einmal eine gründliche Reinigung. Unter der Woche putze ich sie je nach Verschmutzung meistens noch an zwei weiteren Tagen, aber dann eher so, wie es gerade nötig ist.
Der Samstag ist bei uns also durchaus der Tag, an dem das erledigt wird, was während der vollgepackten Woche liegen geblieben ist. Trotzdem verbringt nicht einer von uns den halben Tag allein mit Putzen. Wenn alle zu Hause sind und jeder seinen Beitrag leistet, kommen wir gemeinsam ziemlich schnell voran.
Und danach darf das Haus dann wenigstens für einen kurzen Moment so aussehen, als hätten hier nicht sechs Menschen die ganze Woche gelebt.
Wäsche ist bei sechs Personen eigentlich ein Dauerzustand
Ich glaube, unsere Waschmaschine weiß gar nicht, dass man sie auch ausschalten kann.
Normale Kleidung wäre vermutlich noch überschaubar. Aber dann kommen Handball- und Fußballsachen dazu, Sportzeug aus der Schule, Handtücher, Bettwäsche und die Kleidungsstücke, die ein Kind ungefähr 20 Minuten getragen hat und anschließend selbstverständlich in der Wäsche landen.
Deshalb versuche ich gar nicht erst, auf den einen großen Waschtag zu warten. Wäsche läuft bei uns regelmäßig und möglichst nebenbei.
Und trotzdem gibt es Tage, an denen irgendwo ein voller Wäschekorb steht.
Dann steht er da eben.
Denn ich habe inzwischen verstanden, dass es keinen Preis dafür gibt, abends um 22 Uhr noch drei Körbe Wäsche zusammenzulegen.
Die Küche ist unser größter Dauerbrenner
Wenn sechs Menschen morgens frühstücken, Brotdosen vorbereitet werden, nachmittags immer wieder jemand Hunger hat und abends gemeinsam gegessen wird, kann eine Küche erstaunlich oft am Tag schmutzig werden.
Besonders faszinierend finde ich die Sache mit den Bechern.
Offenbar ist es vollkommen unmöglich, dass ein Kind denselben Becher zweimal benutzt. Zumindest lässt die Anzahl der Becher, die im Laufe eines Tages bei uns herumstehen, kaum eine andere Erklärung zu.
Deshalb versuche ich vor allem, die Arbeitsflächen einigermaßen frei zu halten und Geschirr nicht ewig stehen zu lassen. Eine komplett blitzende Küche rund um die Uhr habe ich längst aufgegeben.
Wenn abends alles wieder halbwegs an seinem Platz ist, reicht mir das.
Am nächsten Morgen geht es sowieso von vorne los.
Die Kinder dürfen ihren Teil zum Chaos auch wieder beseitigen
Natürlich machen mein Mann und ich einen großen Teil des Haushalts. Aber vier Kinder bedeuten eben auch sechs Menschen, die dieses Haus benutzen.
Deshalb finde ich es völlig selbstverständlich, dass die Kinder mithelfen.
Das muss bei uns nicht nach einem komplizierten Haushaltsplan funktionieren. Es sind oft ganz einfache Dinge: den eigenen Teller wegräumen, Sachen nach oben mitnehmen, das eigene Zimmer aufräumen oder etwas wegbringen, das mitten im Weg liegt.
Und nein, die Begeisterung hält sich dabei durchaus in Grenzen.
Wenn ich sage: „Kannst du das bitte kurz wegräumen?“, antwortet selten jemand begeistert: „Natürlich Mama, nichts lieber als das!“
Meistens muss ich erinnern.
Manchmal mehrfach.
Das gehört vermutlich genauso zum Familienhaushalt wie die Wäscheberge.
Kinderzimmer müssen bei mir nicht aussehen wie im Möbelkatalog
Bei den Kinderzimmern bin ich inzwischen ziemlich entspannt.
Es sind schließlich ihre Zimmer.
Natürlich gibt es Grenzen. Essensreste gehören nicht ins Zimmer, dreckige Wäsche nicht dauerhaft auf den Boden und irgendwann möchte ich tatsächlich noch erkennen können, dass unter all den Sachen ein Fußboden existiert.
Aber ob Spielzeug perfekt sortiert ist oder auf dem Schreibtisch etwas herumliegt, ist mir ziemlich egal.
Ich möchte nicht jeden Tag vier Kinderzimmer kontrollieren und anschließend Diskussionen darüber führen, warum drei Legosteine noch auf dem Teppich liegen.
Es gibt genügend andere Dinge, über die man mit Kindern diskutieren kann.
Manche Tage funktionieren besser als andere
Es gibt diese wunderbaren Tage, an denen ich abends durch das Haus gehe und denke: Wow, heute haben wir es wirklich gut hinbekommen.
Die Küche ist ordentlich, die Wäsche weggeräumt, im Wohnzimmer liegt nichts herum und sogar der Flur sieht vernünftig aus.
Und dann gibt es die anderen Tage.
An denen wir spät vom Training nach Hause kommen, irgendwo noch eine Sporttasche liegt, die Spülmaschine eigentlich ausgeräumt werden müsste und ich genau weiß, dass im Trockner seit Stunden Wäsche wartet.
Dann entscheide ich manchmal ganz bewusst:
Das bleibt jetzt liegen.
Denn nur weil eine Aufgabe erledigt werden könnte, heißt das nicht, dass sie genau jetzt erledigt werden muss.
Ordnung darf das Familienleben leichter machen – nicht anstrengender
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis, die ich in den letzten Jahren hatte.
Ordnung soll uns helfen.
Wenn jeder ungefähr weiß, wo seine Sachen hingehören, müssen wir weniger suchen. Wenn die Küche abends aufgeräumt wird, starten wir morgens entspannter. Wenn regelmäßig Wäsche läuft, steht nicht plötzlich jemand ohne Sporthose da.
Zumindest theoretisch. Eine verschwundene Sporthose schafft es natürlich trotzdem immer mal wieder, sämtliche Systeme außer Kraft zu setzen.
Aber ich möchte nicht, dass unser Familienleben nur noch daraus besteht, hinter sechs Menschen herzuräumen und ständig darauf zu achten, dass alles perfekt aussieht.
Wir wohnen hier.
Wir essen hier, machen Hausaufgaben, spielen, streiten, lachen, kommen vom Sport nach Hause, werfen Taschen in den Flur und leben unseren Alltag.
Natürlich darf man das unserem Zuhause auch ansehen.
So behalten wir unser tägliches Chaos im Griff
Wir haben kein perfektes Haushaltssystem und auch keinen Plan, der minutengenau vorgibt, wann welches Waschbecken geputzt werden muss.
Was uns hilft, sind vielmehr ein paar einfache Grundsätze:
- Dinge möglichst direkt wegräumen, statt sie ständig von einer Ecke in die nächste zu tragen.
- Wäsche regelmäßig laufen lassen, bevor daraus ein unbezwingbarer Berg wird.
- Die Kinder bei kleinen Aufgaben mit einbeziehen.
- Lieber jeden Tag ein bisschen machen, statt auf den perfekten Zeitpunkt für den Großputz zu warten.
- Die Räume zuerst angehen, die wir tatsächlich viel benutzen.
- Und vor allem akzeptieren, dass auch mal etwas liegen bleibt.
Denn ein Haushalt mit vier Kindern wird niemals fertig sein.
In dem Moment, in dem die letzte Waschmaschine ausgeräumt ist, zieht garantiert irgendwo jemand seine Sportsachen aus. Wenn die Küche sauber ist, bekommt jemand Hunger. Und kaum ist das Wohnzimmer aufgeräumt, wird dort das nächste Projekt begonnen.
Also versuche ich gar nicht mehr, gegen diesen Kreislauf zu gewinnen.
Unser Ziel ist kein perfektes Zuhause.
Unser Ziel ist ein Zuhause, in dem unser Familienalltag funktioniert – und in dem wir uns wohlfühlen.
Und wenn dafür abends noch ein Wäschekorb im Flur steht, kann ich inzwischen ziemlich gut damit leben