Abendroutine mit Kindern
So werden eure Familienabende entspannter
Das Abendessen ist vorbei, im Wohnzimmer liegen noch Spielsachen und eigentlich sollten längst alle auf dem Weg ins Badezimmer sein. Doch ein Kind möchte sein Bauwerk fertig bauen, ein anderes sucht den Lieblingsschlafanzug. Und du merkst, dass deine eigene Geduld für heute ziemlich aufgebraucht ist.
Am Abend treffen viele Bedürfnisse aufeinander. Die Kinder brauchen Begleitung, manches muss noch erledigt werden und wir Eltern wünschen uns irgendwann auch eine Pause.
Eine Abendroutine kann helfen, diese Zeit übersichtlicher zu gestalten. Sie schafft einen vertrauten Ablauf, ohne dass jeder Schritt täglich neu besprochen werden muss.
Sie ist allerdings kein Versprechen, dass dein Kind anschließend sofort einschläft. Ein Familienabend darf auch mit Routine mal länger dauern oder anders aussehen als geplant.
Eine Abendroutine beginnt vor dem Zubettgehen
Wenn Waschen, Zähneputzen, Aufräumen und Vorlesen erst dann beginnen, wenn eigentlich schon Schlafenszeit sein sollte, wird es schnell hektisch.
Überlegt deshalb, welche Schritte zu eurem Abend gehören und wie viel Zeit sie ungefähr brauchen. Plant dabei auch die Übergänge ein: Ein Kind hört nicht immer mitten im Spiel auf, nur weil die Uhr eine bestimmte Zeit zeigt.
Eine kurze Ankündigung kann helfen:
„Du kannst dein Haus noch fertig bauen. Danach gehen wir ins Bad.“
Vielleicht lässt sich das Bauwerk bis morgen stehen lassen. Vielleicht macht ihr ein Foto, bevor ihr gemeinsam aufräumt.
Nicht alles muss am Abend erledigt werden. Wenn die Zeit knapp ist, darf die große Aufräumrunde warten.
Ein einfacher Ablauf als Ausgangspunkt
Eine mögliche Abendroutine könnte so aussehen:
Abendessen.
Ein paar Dinge für den nächsten Tag vorbereiten.
Eine ruhige Beschäftigung oder gemeinsame Zeit.
Zur Toilette gehen, waschen und Zähne putzen.
Schlafanzug anziehen.
Vorlesen, erzählen oder ein Lied hören.
Gute Nacht sagen und das Einschlafen begleiten, soweit es gebraucht wird.
Die Reihenfolge ist ein Beispiel. Vielleicht zieht dein Kind den Schlafanzug lieber vor dem Zähneputzen an. Vielleicht findet eure Vorlesezeit gemeinsam auf dem Sofa statt.
Wählt wenige Schritte, die ihr im Alltag gut umsetzen könnt. Eine Routine darf verändert werden, wenn sie nicht mehr zu euch passt.
Schlafenszeiten passend zum Kind planen
Nicht jedes Kind wird zur gleichen Uhrzeit müde. Alter, Tagesablauf und ein möglicher Mittagsschlaf spielen dabei eine Rolle.
Orientiert euch deshalb nicht allein an den Schlafenszeiten anderer Familien. Schaut auch darauf, wann euer Kind morgens aufstehen muss, wann es abends müde wird und wie es ihm tagsüber geht.
Ungefähr regelmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten können Orientierung geben. Trotzdem müsst ihr nicht jede Minute gleich gestalten.
Wenn dein Kind regelmäßig lange wach im Bett liegt oder das Zubettgehen sehr belastend ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf den gesamten Schlafrhythmus. Bei anhaltenden Schwierigkeiten kann die Kinderarztpraxis unterstützen.
Zum Tagesende weniger Reize einplanen
Kurz vor dem Schlafengehen noch eine aufregende Serie zu beenden oder ein spannendes Spiel abzubrechen, kann den Übergang schwierig machen.
Plant deshalb eine bildschirmfreie Zeit vor dem Zubettgehen ein. Für jüngere Kinder empfiehlt kindergesundheit-info.de, in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen auf Bildschirmmedien zu verzichten.
Mögliche Alternativen sind:
gemeinsam ein Bilderbuch anschauen,
etwas malen,
ein einfaches Puzzle legen,
leise Musik hören,
oder in Ruhe miteinander erzählen.
Nicht jede Beschäftigung wirkt bei jedem Kind beruhigend. Wenn ein Puzzle regelmäßig für Frust sorgt oder eine Geschichte sehr aufregend ist, passt vielleicht etwas anderes besser.
Es geht darum, einen ruhigen Übergang zu ermöglichen, den ihr gerne miteinander verbringt.
Ein kleines Gute-Nacht-Ritual auswählen
Ein vertrauter Abschluss kann den Abend abrunden. Dafür braucht es kein langes Programm.
Vielleicht gehört bei euch eine Geschichte dazu, ein Lied oder ein bestimmter Abschiedsgruß. Dein Kind darf mitentscheiden, was ihm gefällt.
Hilfreich kann eine überschaubare Auswahl sein:
„Möchtest du heute dieses Buch oder das andere anschauen?“
Auch der Umfang darf vorher besprochen werden: „Heute lesen wir ein Kapitel und erzählen danach noch kurz.“
Wählt etwas, das ihr auch an gewöhnlichen, anstrengenden Tagen begleiten könnt. Ein Abendritual muss nicht jeden Tag besonders kreativ oder abwechslungsreich sein.
Mehr Anregungen findest du im Artikel Rituale und Routinen im Familienalltag.
Platz für Gespräche lassen, ohne sie zur Pflicht zu machen
Manche Kinder erzählen beim Zubettgehen plötzlich viel. Andere möchten lieber kuscheln oder ihre Ruhe haben.
Du kannst ein Gespräch anbieten:
„Gibt es noch etwas, das du mir erzählen möchtest?“
Dabei muss nicht jeden Abend der schönste Moment des Tages gefunden werden. Auch Ärger, Enttäuschung oder ein ganz gewöhnlicher Tag dürfen vorkommen.
Wenn eine größere Sorge auftaucht, höre zunächst zu. Nicht alles lässt sich vor dem Einschlafen klären. Vielleicht könnt ihr einen nächsten Schritt vereinbaren:
„Das klingt schwierig. Morgen sprechen wir in Ruhe darüber, wie ich dir helfen kann.“
Wichtig ist, diese Verabredung später wieder aufzugreifen.
Bedürfnisse ernst nehmen und einen Abschluss finden
„Ich muss noch einmal auf die Toilette.“
„Ich habe Durst.“
„Kannst du noch kurz bleiben?“
Solche Bitten können unterschiedliche Gründe haben. Frage nach und schau, was dein Kind gerade braucht, statt automatisch eine Absicht dahinter zu vermuten.
Toilettengang und ein Getränk lassen sich vor dem Zubettgehen anbieten. Trotzdem darf dein Kind später noch einmal etwas brauchen.
Gleichzeitig könnt ihr einen verständlichen Rahmen setzen:
„Wir haben unsere Geschichte gelesen. Jetzt bleibt das Licht gedimmt, und ich sitze noch eine Weile bei dir.“
Du musst nicht immer neue Spiele, Bücher oder Beschäftigungen anbieten. Nähe und ein ruhiger Abschluss lassen sich miteinander verbinden.
Mit mehreren Kindern unterschiedliche Abläufe ermöglichen
Wenn Kinder verschieden alt sind, passt ein gemeinsamer Ablauf oft nur teilweise.
Vielleicht esst ihr zusammen und teilt euch danach auf. Ein jüngeres Kind geht bereits ins Bett, während ein älteres noch selbst liest oder sich ruhig beschäftigt.
Wenn mehrere Erwachsene den Abend begleiten können, besprecht konkrete Zuständigkeiten. Wer übernimmt das Badezimmer? Wer liest vor? Wer kümmert sich um die Küche?
Wenn du allein mit mehreren Kindern bist, darf der Ablauf besonders einfach sein. Vielleicht gibt es eine gemeinsame Geschichte und anschließend einen kurzen persönlichen Gute-Nacht-Moment für jedes Kind.
Nicht jeder Abend muss allen Kindern dasselbe bieten. Entscheidend ist, welche Begleitung gerade gebraucht wird und was für dich möglich ist.
Den nächsten Morgen mit wenigen Handgriffen vorbereiten
Ein Teil der Abendroutine kann sein, Kleidung bereitzulegen, den Schulranzen zu packen oder einen Elternbrief zu unterschreiben.
Erledigt das möglichst vor dem eigentlichen Gute-Nacht-Ritual. So wird aus „Jetzt gehen wir schlafen“ nicht plötzlich noch eine Suchaktion nach dem Sportbeutel.
Wählt nur die Vorbereitungen aus, die euch tatsächlich entlasten. Für den nächsten Morgen muss nicht die ganze Wohnung fertig aufgeräumt sein.
Weitere Ideen findest du im Artikel Morgenroutine mit Kindern.
Auch deine Kraft gehört zur Planung
Wenn du jeden Abend erschöpft bist, reicht der Rat „Bleib einfach gelassen“ nicht weit.
Schau deshalb auch auf deine Belastung. Lässt sich eine Aufgabe anders verteilen? Kann das Abendessen einfacher ausfallen? Ist euer Ritual länger geworden, als du es auf Dauer begleiten möchtest?
Veränderungen könnt ihr tagsüber besprechen und schrittweise ausprobieren. Dein Kind darf Unterstützung brauchen, und du darfst ebenfalls Grenzen und Erholung brauchen.
Gedanken dazu findest du im Artikel Unterstützung und Fürsorge im Alltag.
Wenn die Abende dauerhaft schwierig bleiben
Einzelne unruhige Abende gehören zum Familienleben. Wenn das Ein- oder Durchschlafen jedoch über längere Zeit schwierig ist, dein Kind tagsüber deutlich beeinträchtigt wirkt oder die Situation euch stark belastet, sprich mit der Kinderarztpraxis.
Ihr müsst nicht erst eine besonders strenge Routine ausprobieren, bevor ihr Unterstützung suchen dürft.
Informationen zu Schlafgewohnheiten und möglichen Schwierigkeiten findest du auch auf kindergesundheit-info.de.
Für heute reicht eine kleine Veränderung
Vielleicht kündigt ihr den Gang ins Bad etwas früher an. Vielleicht legt ihr gemeinsam zwei Bücher zur Auswahl bereit oder verteilt eine Aufgabe neu.
Probiert zunächst eine Veränderung aus und schaut, ob sie euren Abend erleichtert.
Eine passende Abendroutine bietet Vertrautes und lässt gleichzeitig Raum für Nähe, unterschiedliche Bedürfnisse und die Tage, an denen einfach etwas mehr Begleitung nötig ist.