Haushaltsplan für Familien
Wer macht eigentlich was?
Sechs Menschen wohnen in unserem Haus. Sechs Menschen machen Dreck, benutzen Geschirr, produzieren Wäsche und lassen Dinge an Orten liegen, an die sie definitiv nicht gehören.
Eigentlich wäre die logische Konsequenz also: Sechs Menschen kümmern sich gemeinsam darum.
Ganz so gleichmäßig verteilt ist es bei uns allerdings nicht.
Wir haben keinen ausgeklügelten Haushaltsplan, auf dem für jeden Wochentag genau steht, welches Kind um 16:30 Uhr den Spiegel putzt oder den Flur saugt. Trotzdem haben bei uns alle Aufgaben und müssen im Haushalt mithelfen.
Manche Aufgaben sind fest verteilt, andere werden spontan vergeben. Und einiges bleibt ganz eindeutig bei meinem Mann oder mir.
Das funktioniert für uns wesentlich besser als ein kompliziertes System, an das sich am Ende sowieso niemand hält.
Braucht eine Familie überhaupt einen Haushaltsplan?
Wenn man nach Haushaltsplänen für Familien sucht, findet man schnell wunderschöne Tabellen mit Aufgaben für jeden Wochentag.
Montag wird das Bad geputzt, Dienstag Staub gewischt, Mittwoch der Kühlschrank ausgewischt und jedes Familienmitglied hat selbstverständlich seine eigene Spalte.
Bei uns würde dieser Plan vermutlich ungefähr drei Tage funktionieren.
Danach hätte jemand Training, Hausaufgaben, wäre bei Freunden oder schlicht der Meinung, heute absolut keine Zeit zum Staubwischen zu haben.
Deshalb besteht unser „Haushaltsplan“ eher aus einer grundsätzlichen Regel:
Jeder hilft mit.
Die Kinder haben dabei Aufgaben, die ihrem Alter entsprechen. Manche Dinge gehören fest zu einem Kind, bei anderen Aufgaben entscheide ich einfach danach, was gerade gemacht werden muss und wer verfügbar ist.
Die meisten Haushaltsaufgaben übernehme tatsächlich ich
Wenn ich unsere Aufgabenverteilung ganz ehrlich beschreibe, dann kümmere ich mich um den größten Teil des Haushalts.
Wäsche, Küche, Böden, Badezimmer, Fenster und die vielen Kleinigkeiten, die im Alltag ständig anfallen, landen größtenteils bei mir.
Mein Mann hat dafür ziemlich klar abgegrenzte Bereiche: Hof, Werkstatt und Auto sind seine Baustellen.
Das heißt natürlich nicht, dass er niemals etwas anderes macht oder ich keinen Fuß auf den Hof setze. Aber grundsätzlich weiß bei uns jeder, wer sich um welche größeren Bereiche kümmert.
Und dann gibt es noch vier weitere Familienmitglieder, die ebenfalls ihren Teil beitragen dürfen.
Ben und Ciara können schon richtig mit anpacken
Mit zunehmendem Alter können Kinder natürlich auch mehr Aufgaben übernehmen.
Ben und Ciara helfen deshalb bei Dingen, die tatsächlich Arbeit abnehmen und nicht nur symbolisch unter „Kinder helfen im Haushalt“ fallen.
Sie räumen auf, saugen, putzen Spiegel und wischen Staub. Auch wenn mehrere gefüllte Wäschekörbe darauf warten, in die entsprechenden Zimmer gebracht zu werden, können die beiden das übernehmen.
Ben hat zusätzlich eine Aufgabe, die ziemlich eindeutig ihm gehört: Das Unkraut vor unserem Haus muss regelmäßig weg.
Vermutlich gehört Unkrautjäten nicht zu seinen größten Leidenschaften. Aber das ist bei Haushaltsaufgaben ja auch nicht unbedingt Voraussetzung.
Ciara und Ben teilen sich außerdem die Versorgung unserer Katzen. Sie sind abwechselnd für das Katzenklo und die Fressnäpfe zuständig.
Gerade solche festen Aufgaben finde ich praktisch. Ich muss nicht jedes Mal neu überlegen, wer etwas erledigt, und die Kinder wissen grundsätzlich, dass es zu ihren Aufgaben gehört.
Dass trotzdem gelegentlich eine Erinnerung nötig ist, dürfte niemanden überraschen, der Kinder hat.
Max übernimmt kleinere Aufgaben
Max ist jünger und seine Aufgaben sind dementsprechend etwas überschaubarer.
Er kann beispielsweise Spiegel putzen, die Treppe kehren und natürlich beim allgemeinen Aufräumen helfen.
Mir geht es dabei gar nicht darum, dass jedes Kind exakt gleich viele Aufgaben bekommt.
Ein jüngeres Kind kann schließlich nicht dasselbe übernehmen wie ein Teenager.
Viel wichtiger finde ich, dass alle lernen: Dieses Haus gehört uns allen und deshalb sind auch nicht Mama und Papa allein dafür verantwortlich, dass es hier einigermaßen ordentlich bleibt.
Und dann wäre da noch Clea …
Bei Clea befinden wir uns beim Thema Ordnung momentan noch in einer etwas anderen Liga.
Ihr Zimmer sieht regelmäßig aus, als hätte dort eine kleine Bombe eingeschlagen.
Aufräumen gehört nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen und noch schwieriger ist offenbar die Vorstellung, etwas direkt nach der Benutzung wieder wegzuräumen.
Warum sollte man einen Gegenstand zurück an seinen Platz legen, wenn man ihn stattdessen einfach dort fallen lassen kann, wo man ihn gerade nicht mehr braucht?
Besonders schön lässt sich dieses Prinzip auch im Esszimmer beobachten.
Clea bastelt gerne – und darüber freue ich mich natürlich. Weniger begeistert bin ich von dem Zustand des Esszimmers nach einer größeren Bastelaktion.
Papier, Stifte, Schere, Kleber und sämtliche anderen Materialien verteilen sich dann gerne großzügig auf dem Tisch und drum herum.
Das Basteln macht Spaß.
Das anschließende Aufräumen deutlich weniger.
Die Großen helfen – mit der entsprechenden Begeisterung
Wenn Cleas Zimmer oder ihr Bastelchaos völlig aus dem Ruder gelaufen sind, helfen häufig die größeren Geschwister beim Aufräumen.
Das klingt jetzt möglicherweise nach einem wunderschönen Geschwistermoment, bei dem alle gemeinsam lachend Ordnung schaffen.
Ist es nicht.
Natürlich wird gemeckert.
Clea hat keine Lust aufzuräumen und die Großen finden verständlicherweise auch nicht besonders toll, dass sie beim Chaos ihrer kleinen Schwester helfen sollen.
Trotzdem geht es gemeinsam meistens deutlich schneller.
Und vielleicht lernt Clea irgendwann noch, dass Aufräumen wesentlich einfacher wäre, wenn man seine Sachen zwischendurch direkt wegräumen würde.
Ich gebe die Hoffnung jedenfalls noch nicht auf.
Manche Aufgaben müssen unsere Kinder nicht übernehmen
Nur weil unsere Kinder im Haushalt helfen, bedeutet das für mich nicht, dass sie sämtliche Arbeiten erledigen müssen.
Badezimmer putzen müssen unsere Kinder beispielsweise nicht.
Auch Fensterputzen gehört bei uns nicht zu den Kinderaufgaben.
Natürlich könnten ältere Kinder theoretisch auch ein Waschbecken oder eine Toilette putzen. Für unsere Aufgabenverteilung brauche ich das aber nicht.
Es gibt genügend andere Arbeiten, bei denen sie mithelfen können.
Ich finde deshalb auch allgemeine Listen mit „Diese Aufgabe muss ein Kind mit zehn Jahren können“ nur bedingt hilfreich. Jede Familie kann selbst entscheiden, welche Aufgaben sinnvoll sind und was zu ihrem Alltag passt.
Es gibt auch Aufgaben, die einfach alle machen
Nicht alles ist bei uns einer bestimmten Person zugeordnet.
Müll rausbringen macht beispielsweise jeder, der gerade dran ist oder den Auftrag dazu bekommt.
Beim Tischdecken und Abräumen helfen wir ebenfalls gemeinsam. Gerade bei sechs Personen gibt es keinen Grund, warum einer allein sämtliche Teller, Gläser und das Essen hin- und hertragen sollte.
Und dann gibt es noch eine eigentlich sehr einfache Regel:
Dreckiges Geschirr kommt direkt in die Spülmaschine.
Eigentlich.
In der Realität besitzt unser Spülbecken offenbar eine enorme Anziehungskraft.
Selbst wenn die Spülmaschine direkt daneben steht.
Selbst wenn sie leer ist.
Und selbst wenn man lediglich die Tür öffnen und den Teller hineinstellen müsste.
Warum Geschirr trotzdem regelmäßig im Spülbecken landet, gehört zu den großen ungelösten Rätseln unseres Familienalltags.
Bei der Wäsche ist jeder erst einmal selbst verantwortlich
Eine weitere feste Routine betrifft die dreckige Wäsche.
Morgens bringt jeder seine schmutzige Wäsche selbstständig mit nach unten und sortiert sie in die entsprechenden Wäschetonnen.
Das funktioniert grundsätzlich ziemlich gut.
Grundsätzlich.
Denn ungefähr alle zwei Tage mache ich trotzdem eine Runde durch das Haus und sammle die Teile ein, die diesen Weg offenbar nicht geschafft haben.
Eine Socke neben dem Bett.
Ein Shirt im Badezimmer.
Sportsachen irgendwo dort, wo man sie ausgezogen hat.
Ich könnte natürlich jeden Tag hinter allen herlaufen. Stattdessen finde ich es sinnvoller, dass zunächst jeder selbst dafür verantwortlich ist.
Und was übrig bleibt, landet spätestens bei meiner Kontrollrunde in der Wäsche.
Ich möchte nicht für jede Kleinigkeit einen Plan führen
Natürlich könnte ich all diese Aufgaben in einen großen Familien-Haushaltsplan eintragen.
Ben saugt dienstags.
Max putzt mittwochs den Spiegel.
Ciara wischt donnerstags Staub.
Für uns würde das den Alltag aber eher komplizierter machen.
Denn unsere Nachmittage sind durch Schule und Sport ohnehin unterschiedlich. An manchen Tagen sind wir lange unterwegs, an anderen ist mehr Zeit.
Deshalb verteile ich viele Aufgaben lieber dann, wenn sie tatsächlich anfallen.
Wenn gesaugt werden muss, kann jemand saugen.
Wenn der Spiegel voller Zahnpastaspritzer ist, kann ihn jemand putzen.
Wenn im Wohnzimmer Dinge herumliegen, räumen wir sie weg.
Und wenn samstags nach dem Fußball alle zu Hause sind und gründlicher geputzt wird, packen eben alle mit an.
Kinder müssen nicht perfekt putzen
Das musste ich allerdings auch lernen.
Wenn ich einem Kind eine Aufgabe gebe und anschließend alles noch einmal genauso mache, wie ich es gerne hätte, kann ich sie im Grunde auch direkt selbst erledigen.
Natürlich zeige ich, wie etwas gemacht wird. Und wenn eine Aufgabe überhaupt nicht erledigt wurde, muss nachgebessert werden.
Aber ein achtjähriges Kind wird einen Spiegel vielleicht nicht genauso streifenfrei putzen wie ich.
Das ist okay.
Der Sinn dahinter ist schließlich nicht, kostenlose kleine Reinigungskräfte heranzuziehen.
Die Kinder sollen lernen, dass Haushalt Arbeit macht und dass jeder etwas dazu beitragen kann.
Mit der Zeit werden sie darin automatisch besser.
Aufgaben im Haushalt müssen zum Alter und zum Kind passen
Unsere vier Kinder sind unterschiedlich alt und auch völlig unterschiedlich ordentlich.
Deshalb halte ich wenig davon, jedem exakt dieselben Aufgaben zu geben.
Bei uns sieht die Verteilung momentan ungefähr so aus:
- Ciara und Ben: Aufräumen, Saugen, Staubwischen, Spiegel putzen, Wäschekörbe verteilen und weitere größere Aufgaben.
- Ben zusätzlich: Unkraut vor dem Haus entfernen.
- Ciara und Ben abwechselnd: Katzenklo und Fressnäpfe.
- Max: Aufräumen, Spiegel putzen und Treppe kehren.
- Clea: vor allem die eigenen Sachen und ihr Bastelchaos aufräumen – momentan durchaus eine Aufgabe mit Entwicklungspotenzial.
- Alle: Müll rausbringen, beim Tischdecken und Abräumen helfen, eigene dreckige Wäsche nach unten bringen und das eigene Chaos beseitigen.
- Mein Mann: hauptsächlich Hof, Werkstatt und Auto.
- Ich: der überwiegende Rest des Haushalts.
Das ist vermutlich keine mathematisch gerechte Verteilung.
Aber sie funktioniert für unseren momentanen Familienalltag.
Ein Familienhaushalt ist Gemeinschaftsarbeit
Ich erwarte nicht, dass unsere Kinder begeistert aufspringen, sobald ich frage, wer kurz saugen möchte.
Ganz im Gegenteil.
Manchmal wird diskutiert, manchmal gemeckert und manchmal muss ich eine Aufgabe dreimal erwähnen, bevor überhaupt irgendetwas passiert.
Trotzdem finde ich es wichtig, dass unsere Kinder im Haushalt mithelfen.
Nicht, weil ich ihnen möglichst viel Arbeit übertragen möchte.
Sondern weil Haushalt nun einmal zum Leben dazugehört.
Irgendwann werden sie in ihrer eigenen Wohnung stehen und feststellen, dass sich weder Müll noch Wäsche oder Geschirr von allein erledigen.
Bis dahin dürfen sie das bei uns schon einmal üben.
Einen perfekten Haushaltsplan brauchen wir dafür nicht.
Ein bisschen Mithilfe von jedem reicht uns völlig.
Und wenn jetzt noch jemand herausfindet, wie man sechs Menschen zuverlässig dazu bringt, ihr dreckiges Geschirr direkt in die leere Spülmaschine statt ins Spülbecken zu stellen, würde unser System nahezu perfekt funktionieren.