Das jüngste Kind wird eingeschult: Warum dieser Abschied besonders emotional ist oder auch nicht...

Zehn Jahre lang hatten wir ununterbrochen mindestens ein Kind im Kindergarten. Teilweise waren es sogar zwei gleichzeitig. Mit vier Kindern kommt da einiges an Kindergartenzeit zusammen: unzählige Sommerfeste, Laternenumzüge, Bastelarbeiten, Wechselkleidung, Brotdosen und morgendliche Abschiede.

Beim letzten Sommerfest wurde unsere Familie deshalb sogar besonders erwähnt. Offenbar war es in unserem Kindergarten noch nie vorgekommen, dass eine Familie zehn Jahre lang durchgehend ein oder zwei Kinder dort hatte.

Eine schöne kleine Ehrung zum Abschluss unserer Kindergartenzeit – die wir allerdings beide verpasst haben.

Ich war an diesem Abend bereits mit meiner großen Tochter im Zug auf dem Weg zu einem Konzert. Mein Mann Jan kam ein paar Minuten zu spät zum Sommerfest und bekam von der Ehrung ebenfalls nichts mit. Erst später erzählten uns andere Eltern davon.

Ein bisschen peinlich war uns das natürlich schon. Andererseits passt es auch irgendwie zu unserem Familienalltag: Nach zehn Jahren Kindergarten verpassen ausgerechnet wir den Moment, in dem diese zehn Jahre offiziell gewürdigt werden.

Zehn Jahre Kindergarten – und kaum Erinnerungen an den Anfang

Der erste Kindergartentag unserer ältesten Tochter Ciara liegt inzwischen mehr als zehn Jahre zurück. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich kaum noch daran erinnern.

Damals war unser Alltag ganz anders als heute. Ich arbeitete noch in einem büroähnlichen Job in Frankfurt und musste morgens früh los. Jan brachte Ciara deshalb meistens in den Kindergarten, während ich sie am Nachmittag abholte. Anfangs war sie sogar ein Ganztagskind und wurde von sieben bis siebzehn Uhr betreut.

Es war eine hektische Zeit. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum mir von diesem ersten Kindergartentag keine besonders klaren Bilder geblieben sind. Vieles musste einfach funktionieren.

Später besuchten Ciara und Ben zunächst gemeinsam eine Gruppe. Durch Corona wechselte Ben irgendwann in eine andere Gruppe und war dort zusammen mit Max. In genau dieser Gruppe verbrachten später auch Max und Clea ihre Kindergartenzeit.

Natürlich wechselten im Laufe der Jahre einige Erzieherinnen. Das ist in diesem Beruf völlig normal. Trotzdem gibt es auch Erzieherinnen, die uns über die gesamten zehn Jahre kannten und alle vier Kinder auf die eine oder andere Weise begleitet haben.

Allein dieser Gedanke macht mir bewusst, wie lang diese Familienphase tatsächlich war.

Cleas Abschied vom Kindergarten

Clea war nach Max’ Einschulung zwei Jahre lang unser einziges Kindergartenkind. Sie blieb allerdings nie bis in den Nachmittag, sondern wurde immer vor dem Mittagessen abgeholt. Im letzten Kindergartenjahr blieb sie außerdem häufiger zu Hause, weil ich selbst viel zu Hause war und wir diese Möglichkeit hatten.

Vielleicht fiel mir der Abschied deshalb leichter, als ich vorher gedacht hätte. Der Kindergarten bestimmte unseren Alltag längst nicht mehr so stark wie früher.

Beim großen Schulstürmer-Abschied war ich trotzdem dabei. Wie jedes Jahr wurden die zukünftigen Schulkinder auf einer Matte symbolisch „aus dem Kindergarten geworfen“. Dazu gab es einige kleine Geschenke und Erinnerungen.

Danach hätte Clea den Kindergarten theoretisch noch vier Wochen lang besuchen können. Ich entschied mich jedoch bewusst dagegen. Wenn wir uns schon verabschieden, dann wollte ich auch einen richtigen Schlussstrich ziehen. Noch einmal hinzugehen hätte sich für mich angefühlt, als würden wir den Abschied unnötig in die Länge ziehen.

Clea selbst war damit vollkommen einverstanden. Sie trauerte ihrer Kindergartenzeit nicht lange hinterher, sondern freute sich viel zu sehr auf die Schule.

Die vierte Einschulung fühlt sich anders an

Natürlich war auch Cleas Einschulung ein besonderer Tag. Für sie war alles neu und aufregend. Für mich fühlte es sich trotzdem anders an als bei der ersten Einschulung.

Ich kenne den Ablauf inzwischen. Ich weiß, was ungefähr passiert, wie schnell die kleine Feier vorbeigeht und dass aus einem aufgeregten Vorschulkind plötzlich ein stolzes Schulkind wird. Für Clea war es ein riesiger Schritt. Für mich war es bereits die vierte Einschulung.

Das bedeutet nicht, dass der Tag weniger wichtig war. Ich konnte ihm nur deutlich entspannter entgegensehen.

Clea war besonders stolz auf ihre große Schultüte. Dass diese überhaupt rechtzeitig fertig wurde, war allerdings eine kleine Punktlandung. Durch unseren langen Kroatienurlaub hatte ich sie tatsächlich erst am Tag vor der Einschulung fertiggestellt. Aber sie war rechtzeitig bereit – und Clea glücklich.

Die Feier in der Schule wurde angenehm kurz gehalten. Während die Kinder ihre erste Unterrichtsstunde erlebten, wurden wir Eltern von den Eltern der zweiten Klassen mit Kaffee und Kuchen versorgt.

Anschließend feierten wir bei uns zu Hause weiter. Die Großeltern und ein paar gute Freunde kamen zum Grillen, und wir saßen bis in den frühen Abend zusammen.

Für die Omas war diese Einschulung ebenfalls etwas Besonderes. Bei den älteren Kindern hatten beide noch gearbeitet und konnten deshalb nicht bei der Feier in der Schule dabei sein. Inzwischen sind sie in Rente und konnten zum ersten Mal miterleben, wie eines ihrer Enkelkinder eingeschult wurde.

Keine Angst vor dem nächsten Hausaufgabendrama

Als Max eingeschult wurde, hatte ich ein wenig Bauchschmerzen bei dem Gedanken, nun mit drei Kindern regelmäßig Hausaufgaben machen zu müssen. Hausaufgaben können in einer Familie schließlich schnell zum täglichen Drama werden.

Inzwischen gibt es an unserer Grundschule jedoch eine sogenannte Lernzeit. Sie findet während des regulären Schultages statt. Dadurch bekommen Max und Clea zunächst keine klassischen Hausaufgaben auf.

Bei Cleas Einschulung war ich deshalb deutlich entspannter. Ob dieses Konzept dauerhaft bestehen bleibt, wird sich zeigen. Im Moment bin ich aber froh darüber, dass wir nachmittags nicht jeden Tag über Arbeitsblättern und Rechenaufgaben diskutieren müssen.

Leistungsdruck gibt es bei uns ohnehin nicht. Jedes Kind soll alles so gut machen, wie es kann – und zwar in seinem eigenen Tempo. Wie Clea sich beim Lernen anstellen wird, werden die nächsten Monate zeigen.

Der Einstieg fiel Clea leicht

Clea betrat mit der Schule kein völlig unbekanntes Terrain. Sie kannte den Schulhof bereits von verschiedenen Schulfesten. Außerdem kennt sie durch ihre beiden Sportarten viele Kinder, die dieselbe Schule besuchen. Hinzu kommen die Kinder aus Max’ Klasse, denen sie schon häufiger begegnet ist.

Der Einstieg fiel ihr deshalb leicht. Sie musste sich nicht erst vorsichtig an einen vollkommen fremden Ort herantasten, sondern bewegte sich dort von Anfang an ziemlich selbstverständlich.

Auch der Schulweg ist unkompliziert. Die Schule liegt nur knapp 300 Meter von unserem Haus entfernt, und Clea muss auf dem Weg keine Straße überqueren. Sie kann deshalb allein nach Hause laufen.

Für meinen Alltag ist das tatsächlich eine Erleichterung. Während der Kindergartenzeit musste ich jeden Tag gegen halb zwölf das Haus verlassen, um sie abzuholen. Jetzt kommt sie selbstständig nach Hause.

Natürlich bringt der Schulalltag neue Aufgaben mit sich. Bei vier Schulkindern müssen wir morgens an Brotdosen, Trinkflaschen, Sportsachen, Schwimmsachen und vieles mehr denken. Wenn im Kindergarten einmal etwas nicht ganz rundlief oder etwas vergessen wurde, war das meistens nicht besonders dramatisch. In der Schule fühlt sich das anders an.

Nun müssen wir eben für vier Schulkinder mitdenken.

Und wo bleiben die großen Abschiedstränen?

Wenn das jüngste Kind eingeschult wird, wird häufig erwartet, dass die Mutter wehmütig am Kindergartentor steht und kaum glauben kann, dass ihr letztes kleines Kind nun ein Schulkind ist.

Bei mir war es nicht so.

Der Abschied vom Kindergarten fiel mir überraschend leicht. Vielleicht, weil Clea dort ohnehin nie den ganzen Tag verbracht hatte. Vielleicht, weil sie im letzten Jahr häufig bei mir zu Hause geblieben war. Vielleicht aber auch, weil wir beide bereit für diesen nächsten Schritt waren.

Kein Kindergartenkind mehr zu haben, fühlt sich bisher gar nicht so anders an. Unser Alltag hat sich verändert, aber nicht plötzlich unser gesamtes Familienleben. Clea ist schließlich nicht über Nacht groß geworden, nur weil sie nun einen Schulranzen trägt.

Trotzdem ist das Ende dieser Zeit etwas Besonderes. Zehn Jahre lang gehörte der Kindergarten fest zu unserem Leben. Nun werden wir dort keine Kinder mehr hinbringen, keine Wechselkleidung mehr auffüllen und keine Schulstürmer mehr verabschieden.

Vielleicht werde ich den Kindergarten das erste Mal richtig vermissen, wenn in der Schule etwas nicht rundläuft. Wenn der Alltag anstrengender wird, wenn Clea mit einer Aufgabe kämpft oder wenn ich merke, dass Schule eben doch mehr Erwartungen mit sich bringt als der Kindergarten.

Im Moment überwiegt jedoch etwas anderes: die Freude darüber, dass Clea sich auf die Schule gefreut hat, dort gut angekommen ist und diesen neuen Weg selbstbewusst geht.

Das Ende einer Phase – und der Anfang von etwas Neuem

Die Einschulung des jüngsten Kindes ist emotional, aber nicht immer auf die gleiche Weise. Es müssen nicht zwangsläufig Tränen fließen. Man kann einen Abschied auch spüren, ohne traurig an ihm festzuhalten.

Für uns endet nach zehn Jahren die Kindergartenzeit. Gleichzeitig beginnt eine neue Familienphase, in der alle vier Kinder Schulkinder sind und immer selbstständiger werden.

Das fühlt sich nicht nur nach Verlust an. Es bringt auch Erleichterung, neue Freiheiten und einen Alltag, der sich wieder ein kleines Stück verändert.

Und vielleicht war unser verpasster Abschied beim Sommerfest am Ende sogar ganz passend: Während der Kindergarten unsere zehn gemeinsamen Jahre noch einmal würdigte, waren wir längst unterwegs zum nächsten Erlebnis.

Cleas Schultüte

Falls euch Cleas Schultüte auf den Bildern gefällt: Als Grundlage habe ich einen fertigen Rohling verwendet und ihn anschließend passend zu ihrem Schulranzen dekoriert. Gerade weil ich durch unseren langen Kroatienurlaub erst am Tag vor der Einschulung damit anfangen konnte, war das für mich die perfekte Lösung.

Werbung/Affiliate-Link: Wenn du über den folgenden Link etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis unverändert.

Hier findest du den Schultütenrohling, den ich für Cleas Schultüte verwendet habe

Die Form war bereits fertig, sodass ich mich ganz auf die Gestaltung konzentrieren konnte – und Cleas Schultüte trotz der knappen Zeit noch genauso wurde, wie sie sie sich gewünscht hatte.

Noch mehr praktische Tipps und hilfreiche Gedanken zu diesem Thema findest du in diesen Beiträgen:

Vier Kinder, zwei Schulen: So organisieren wir unseren neuen Familienalltag

Die ersten Schulwochen: Warum Kinder jetzt vor allem Ruhe brauchen

Chaos am Morgen vermeiden – unsere Schulmorgenroutine mit vier Kindern

Schulstress bei Kindern

Wenn dein Kind Schulstress hat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Bei der Übermittlung Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Sicherheitsüberprüfung

Ungültiger Captcha-Code. Versuchen Sie es erneut.

©copyright 2025 Christiane Sagorski

Alle Rechte vorbehalten.

 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.