Die ersten Schulwochen: Warum Kinder jetzt vor allem Ruhe brauchen
Die ersten Schulwochen liegen hinter uns und langsam stellt sich wieder so etwas wie Alltag ein. Die Wecker klingeln früh, vier Kinder müssen pünktlich aus dem Haus und am Nachmittag wartet unser ganz normaler sportlicher Marathon auf uns.
Eigentlich hat sich für unsere Kinder gar nicht so viel verändert. Und trotzdem merke ich, dass die ersten Wochen nach den Sommerferien Kraft kosten. Nicht unbedingt, weil alles schwierig läuft, sondern weil sich der Körper und der Kopf erst wieder an frühe Morgen, feste Zeiten und viele Eindrücke gewöhnen müssen.
Besonders bei Clea spüren wir die Umstellung deutlich. Für sie ist es das erste Mal, dass sie wirklich jeden Morgen aufstehen und aus dem Haus muss. Kein freier Kindergartentag mehr, kein gemütlicher Vormittag zu Hause – Schule ist jetzt jeden Tag.
Und Schule kann ganz schön anstrengend sein.
Ein überraschend unkomplizierter Schulstart
Nach den vielen Gedanken, die ich mir vor dem Schulstart gemacht habe, bin ich vor allem über Ciaras Start sehr erleichtert. Der Wechsel auf die neue Schule war für sie schließlich keine Kleinigkeit.
Inzwischen trifft sie sich sogar schon privat mit Kindern aus ihrer Klasse und aus der Parallelklasse. Damit hätte ich nach den ersten unsicheren Tagen ehrlich gesagt nicht so schnell gerechnet. Natürlich ist noch längst nicht alles endgültig angekommen und auch der normale Schulalltag hat noch nicht vollständig begonnen. Durch den vielen Vertretungsunterricht sind weder Ciara noch Ben bisher richtig in ihrem üblichen Rhythmus.
Trotzdem sieht es momentan so aus, als würde Ciara ihren Platz finden. Das nimmt auch mir eine große Sorge ab.
Ihre Schulaufgaben erledigt sie ohnehin sehr selbstständig. Das war bei ihr schon immer so. Ich muss nicht ständig nachfragen, ob sie ihre Sachen gemacht hat, sondern kann mich darauf verlassen, dass sie ihre Aufgaben im Blick behält.
Ciara und Ben gehen außerdem weiterhin zu ihrer Oma, um dort Englisch zu lernen. Das hilft ihnen – und nimmt gleichzeitig mir etwas ab. Bei vier Kindern bin ich über jede Aufgabe dankbar, die nicht ausschließlich auf meinem eigenen Zettel landet.
Für Clea ist plötzlich jeder Morgen ein Schulmorgen
Am schwierigsten ist der neue Alltag momentan für Clea. Nicht unbedingt die Schule selbst, sondern das morgendliche Aufstehen.
Sie kommt einfach nur schwer aus dem Bett. Das liegt allerdings nicht allein am Schulstart. Durch die vielen sportlichen Termine am Nachmittag und Abend wird es bei uns häufig spät. Wenn wir erst nach dem Training nach Hause kommen, müssen die Kinder noch essen, duschen und irgendwann zur Ruhe finden. Das lässt sich nicht immer so beschleunigen, wie man es sich am nächsten Morgen wünschen würde.
Für Clea ist dieser Rhythmus besonders anstrengend. Sie muss nun an jedem Wochentag aus dem Haus. Nach der Schule sagt sie manchmal selbst, dass Schule anstrengend ist.
Das kann ich gut verstehen. Auch wenn die Kinder in der ersten Klasse noch keine Berge von Hausaufgaben erledigen müssen, passiert während eines Schulvormittags unglaublich viel. Neue Regeln, neue Abläufe, viele Kinder, konzentriertes Zuhören und ständig neue Eindrücke – all das muss erst einmal verarbeitet werden.
Im Moment muss Clea zu Hause noch keine Hausaufgaben machen. Auch mit dem regelmäßigen Lesenüben haben wir noch ein wenig Zeit. Darüber bin ich ganz froh, denn so darf sie erst einmal in ihrem neuen Alltag ankommen, ohne dass der Nachmittag direkt mit der nächsten Pflicht beginnt.
Ruhe bedeutet bei uns nicht: keine Termine
Wenn man darüber liest, was Kinder in den ersten Schulwochen brauchen, klingt es oft so einfach: möglichst wenige Termine, ruhige Nachmittage und frühe Abende.
In der Theorie ist das sicher wunderbar. In unserem Familienalltag lässt es sich aber nicht vollständig umsetzen.
Unsere Kinder haben Fußball und Handball, wir Eltern sind selbst als Trainer eingebunden und manche Termine überschneiden sich. Dieser sportliche Marathon gehört zu unserem Alltag und lässt sich nicht einfach für mehrere Wochen aussetzen.
Deshalb bedeutet Ruhe bei uns nicht automatisch, dass der Kalender leer bleibt. Sie entsteht eher in den Zeiten zwischen Schule und Sport.
Max und Clea kommen relativ früh nach Hause. Dann dürfen sie zunächst abschalten. Sie müssen nicht sofort erzählen, was sie erlebt haben, ihre Schulsachen auspacken oder sich mit der nächsten Aufgabe beschäftigen.
Gerade ist das Wetter häufig schlecht und ich selbst verbringe viel Zeit mit Arbeiten und Schreiben. Deshalb habe ich auch nichts dagegen, wenn die beiden nach der Schule eine Weile fernsehen.
Natürlich achte ich darauf, dass es nicht zu viel wird. Aber ich finde, Medienzeit muss nicht immer als etwas grundsätzlich Schlechtes betrachtet werden. Manchmal hilft eine vertraute Serie dabei, den Kopf auszuschalten und nach einem anstrengenden Vormittag herunterzukommen.
Unsere Kinder brauchen nicht jeden Nachmittag ein pädagogisch wertvolles Beschäftigungsprogramm. Sie dürfen auch einfach auf dem Sofa sitzen, fernsehen und eine Weile nichts leisten müssen.
Nicht jeder Streit ist ein Zeichen von Überforderung
Bei uns gibt es durch den Schulstart weder mehr noch weniger Streit als vorher. Auch die Wutausbrüche haben nicht plötzlich zugenommen.
Kinder streiten sich eben – ganz unabhängig davon, ob gerade Ferien sind, die Schule begonnen hat oder der Familienalltag besonders voll ist. Bei vier Kindern gehören Diskussionen, genervte Geschwister und gelegentliches Türenknallen ohnehin dazu.
Natürlich kann Müdigkeit dafür sorgen, dass die Nerven schneller blank liegen. Trotzdem möchte ich nicht jeden Streit sofort als Zeichen dafür deuten, dass unsere Kinder mit dem Schulstart überfordert sind.
Manchmal ist ein Streit einfach nur ein Streit. Jemand saß auf dem falschen Platz, hat etwas genommen, ohne zu fragen, oder hat im entscheidenden Moment besonders nervig geatmet. Wer mehrere Kinder hat, kennt vermutlich die erstaunliche Vielfalt möglicher Streitgründe.
Für mich ist eher entscheidend, ob sich das Verhalten eines Kindes deutlich verändert. Das ist bei uns momentan nicht der Fall.
Vielleicht braucht gerade Mama die meiste Ruhe
Wenn ich ehrlich bin, bin derzeit vor allem ich etwas gereizter.
Nicht, weil der Schulstart schlecht läuft, sondern weil ich im Moment an unglaublich viele Dinge gleichzeitig denken muss. Für jedes Kind steht der erste Elternabend an. Die Fußballspiele an den Wochenenden müssen organisiert werden. Schulmaterialien fehlen und ständig braucht jemand Geld für die Klassenkasse, einen Ausflug oder irgendwelche neuen Hefte.
Natürlich erfahren wir solche Dinge bevorzugt von einem Tag auf den anderen – und selbstverständlich immer dann, wenn ich gerade kein Bargeld im Haus habe.
Es sind selten die großen Aufgaben, die mich stressen. Es sind die vielen kleinen Dinge, die gleichzeitig im Kopf herumschwirren: Wer braucht morgen Sportsachen? Wann beginnt welcher Elternabend? Wer muss am Wochenende zu welchem Spiel? Haben alle Kinder ihre Trinkflaschen? Und woher bekomme ich jetzt noch schnell das Geld für die Klassenkasse?
Jede einzelne Aufgabe ist machbar. Die Menge macht es anstrengend.
Vielleicht sind die ersten Schulwochen deshalb nicht nur für Kinder eine Zeit des Ankommens. Auch wir Eltern müssen uns erst wieder daran gewöhnen, dass plötzlich sechs Stundenpläne, Freizeitaktivitäten, Elternabende und Wochenendtermine miteinander verbunden werden wollen.
Unsere Kinder müssen nicht sofort funktionieren
Im Moment halten sich die Hausaufgaben noch in Grenzen. Max und Clea bekommen noch nichts auf, Ciara arbeitet selbstständig und bei Ben und Ciara ist durch den Vertretungsunterricht ohnehin noch kein ganz normaler Schulalltag eingekehrt.
Das gibt uns ein wenig Luft.
Ich finde, Kinder müssen nach den Ferien nicht vom ersten Tag an perfekt funktionieren. Sie müssen nicht sofort wieder konzentriert lernen, sämtliche Materialien selbstständig im Blick behalten und nach einem langen Schultag noch ein volles Nachmittagsprogramm voller sinnvoller Beschäftigungen absolvieren.
Sie dürfen müde sein. Sie dürfen die Schule anstrengend finden. Sie dürfen nach Hause kommen und erst einmal nichts erzählen wollen.
Und manchmal dürfen sie auch einfach fernsehen.
Auch die ersten anstrengenden Wochen gehen vorbei
Unser Alltag ist in diesen Wochen nicht besonders ruhig. Dafür haben wir zu viele Termine, zu viele Hobbys und zu viele Menschen mit unterschiedlichen Stundenplänen unter einem Dach.
Trotzdem versuche ich, den Kindern dort Ruhe zu geben, wo es möglich ist. Nicht als perfekt geplante Entspannungszeit, sondern in kleinen, ganz normalen Momenten: nach der Schule auf dem Sofa, bei einer vertrauten Serie, ohne sofortige Fragen und ohne den Anspruch, direkt die nächste Aufgabe erledigen zu müssen.
Clea wird sich daran gewöhnen, jeden Morgen aufzustehen. Ben und Ciara werden irgendwann wieder regulären Unterricht haben. Die ersten Elternabende werden vorbei sein und vermutlich werde ich mich auch wieder daran gewöhnen, vorsichtshalber etwas Bargeld im Haus zu haben.
Bis dahin versuchen wir einfach, einen Tag nach dem anderen zu nehmen.
Denn so anstrengend die ersten Schulwochen manchmal sind: Auch diese ersten Tage gehen vorbei.
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