Schulwechsel mit 13: Zwischen Neuanfang, Angst und Vorfreude

Ein Schulwechsel ist selten nur ein neuer Stundenplan, ein anderes Gebäude und ein paar unbekannte Namen. Für ein Kind bedeutet er, Vertrautes zurückzulassen und noch einmal ganz von vorne anzufangen. Bei Ciara kam hinzu, dass sie ihre alte Schule eigentlich gar nicht verlassen wollte, weil sie dort unglücklich war. Sie war in ihrer Klasse integriert, beliebt und fühlte sich wohl. Trotzdem stand am Ende der 7. Klasse eine Entscheidung an, die wir so nicht erwartet hatten.

Wegen zweier Fünfen in den Hauptfächern Englisch und Latein hätte Ciara die 7. Klasse am Gymnasium wiederholen müssen. Gemeinsam entschieden wir uns deshalb gegen die Wiederholung und für einen Wechsel auf die integrierte Gesamtschule. Dort konnte sie quer in die 8. Klasse versetzt werden.

Heute besucht sie dieselbe Schule wie ihr Bruder Ben. Ob der Wechsel langfristig die richtige Entscheidung war, kann ich nach nicht einmal zwei Wochen noch nicht sagen. Aber ich kann erzählen, wie sich dieser Neuanfang für uns angefühlt hat.

Schon der Wechsel aufs Gymnasium war ein Neuanfang

Als Ciara nach der Grundschule auf das Gymnasium wechselte, fing sie dort ebenfalls fast bei null an. Sie war die Einzige aus ihrer Grundschulklasse, die in ihre neue Klasse kam. Zwei Jungen aus ihrer früheren Klasse besuchten zwar ebenfalls das Gymnasium, wurden aber in Parallelklassen eingeschult.

Trotzdem fand Ciara ihren Platz. Sie kam in ihrer Klasse an, wurde ein fester Teil der Gemeinschaft und war bei ihren Mitschülern beliebt. Deshalb fiel ihr der Abschied nach drei Jahren auch so schwer.

Es war nicht die Klasse, aus der sie wegwollte. Es war die Angst, die 7. Klasse zu wiederholen und am Ende trotzdem wieder an Englisch und Latein zu scheitern.

Sitzenbleiben oder die Schule wechseln?

Die Entscheidung für einen Schulwechsel haben wir gemeinsam getroffen. Ciara wusste, was sie aufgeben würde. Gleichzeitig war die Angst davor, trotz der Wiederholung erneut Schwierigkeiten in Englisch und Latein zu bekommen, größer als ihr Wunsch, in ihrer vertrauten Klasse zu bleiben.

Natürlich machte es die Entscheidung etwas leichter, dass ihre beste Freundin bereits die integrierte Gesamtschule besucht. Auch Ben geht dort zur Schule. Außerdem ist es die einzige integrierte Gesamtschule in unserer näheren Umgebung. Viele Kinder aus unserem Ort besuchen sie, sodass Ciara dort nicht völlig allein anfangen musste.

Trotzdem war es kein leichter Schritt. Denn auch wenn sie außerhalb der Schule – abgesehen von Geburtstagen und Kontakten über das Handy – nicht ständig etwas mit ihren Klassenkameraden unternommen hatte, waren sie über Jahre hinweg ein wichtiger Teil ihres Alltags gewesen.

Diese Vertrautheit einfach zurückzulassen, tat weh.

Die Ungewissheit vor den Sommerferien

Besonders nervenaufreibend war die Zeit vor den Sommerferien. Der Wechsel auf die Gesamtschule stand für uns bereits fest. Lange wussten wir jedoch nicht, ob es im 8. Jahrgang überhaupt einen freien Platz für Ciara geben würde.

Ohne diesen Platz hätte sie auch an der neuen Schule die 7. Klasse wiederholen müssen.

Der erlösende Brief kam erst wenige Tage vor Beginn der Ferien. Darin stand, dass Ciara in die 8. Klasse querversetzt werden konnte. Erst am letzten Schultag konnten wir sie endgültig vom Gymnasium abmelden.

Ciara war vor allem erleichtert, dass sie die 7. Klasse nicht noch einmal machen musste. Gleichzeitig bedeutete dieser Brief aber auch, dass der Abschied nun endgültig war.

Ein Abschied mit vielen Tränen

Der letzte Schultag am Gymnasium fiel ihr schwer. Es flossen Tränen, und auch in den Sommerferien war der bevorstehende Neuanfang immer wieder präsent.

Ciara versuchte, möglichst wenig darüber nachzudenken. Die Ferien waren dadurch trotzdem ein wenig getrübt. Irgendwo im Hinterkopf wartete schließlich dieser erste Schultag an einer unbekannten Schule – mit einem großen Gebäude, einer neuen Klasse und vielen Menschen, die sich längst kannten.

Von echter Vorfreude konnte zu diesem Zeitpunkt keine Rede sein. Ihre Stimmung war eher: „Da muss ich jetzt halt durch.“

Und manchmal ist ein Neuanfang vermutlich genau das. Nichts, worauf man begeistert hinfiebert, sondern etwas, vor dem man Angst hat und das man trotzdem wagt.

Die größte Angst: Finde ich dort meinen Platz?

Ciaras größte Sorge war nicht der neue Schulstoff. Sie hatte vor allem Angst davor, in ihrer neuen Klasse keinen Anschluss zu finden.

Ich versuchte, sie damit zu beruhigen, dass ihre beste Freundin an dieser Schule ist und sie die Pausen gemeinsam verbringen können. Außerdem wechseln die Zusammensetzungen durch das Kurssystem ohnehin. Wer im Klassenraum neben ihr sitzt, ist deshalb nicht automatisch die Person, mit der sie jeden Tag und jedes Fach verbringt.

In Mathematik und Deutsch besucht Ciara weiterhin den A-Kurs auf gymnasialem Niveau. In Englisch ist sie im B-Kurs auf Realschulniveau. Dadurch lernt sie in den verschiedenen Kursen immer wieder andere Mitschüler kennen.

Außerdem war sie nicht die einzige Neue. Insgesamt kamen fünf neue Schülerinnen und Schüler in ihre Klasse. Auch wenn das nicht automatisch bedeutet, sofort neue Freunde zu finden, war es für sie beruhigend, nicht als Einzige in eine bestehende Klassengemeinschaft zu kommen.

Der erste Schultag an der neuen Schule

Am ersten Schultag wollte Ciara, dass ich sie begleite und bei ihr bleibe. Sie fühlte sich ziemlich allein und musste sich zunächst in einem deutlich größeren und unübersichtlicheren Schulgebäude zurechtfinden.

Ich wartete mit ihr, bis neue Klassenkameraden kamen, sie abholten und gemeinsam mit ihr zum Klassenraum gingen. Erst dann ließ ich sie dort zurück.

Ihre beste Freundin fing sie in diesen ersten Tagen auf und begleitete sie durch den ungewohnten Schulalltag. Mittlerweile findet Ciara sich zumindest im Gebäude gut zurecht. Was anfangs riesig und unübersichtlich wirkte, wird langsam vertrauter.

Muss sie in der neuen Klasse überhaupt richtig ankommen?

Ob Ciara bereits vollständig in ihrer Klasse angekommen ist, kann ich noch nicht beurteilen. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, ob sie das im Moment unbedingt möchte.

Sie hat ihre Freunde in den Pausen und kommt mit ihren jeweiligen Sitznachbarn zurecht. Vielleicht reicht ihr das zunächst. Nicht jedes Kind braucht sofort eine neue beste Freundin innerhalb der eigenen Klasse. Manchmal genügt es, im Unterricht zurechtzukommen und in den Pausen Menschen zu haben, bei denen man sich sicher fühlt.

Nach nicht einmal zwei Wochen wäre es ohnehin viel zu früh, ein endgültiges Fazit zu ziehen. Beziehungen müssen wachsen – besonders dann, wenn man selbst noch mit einem Abschied beschäftigt ist.

Wenn der kleine Bruder plötzlich die gleichen Freunde hat

Dass Ben dieselbe Schule besucht, war bei unserer Entscheidung eine große Beruhigung. Für Ciara ist diese Situation allerdings nicht immer nur angenehm.

In den Pausen hält Ben sich teilweise bei denselben Kindern auf wie sie. Da viele Schülerinnen und Schüler aus unserem Ort kommen, überschneiden sich ihre Freundeskreise. Ciara ist davon ein wenig genervt. Gleichzeitig muss sie sich wohl damit abfinden, denn schließlich war Ben zuerst auf dieser Schule.

Ich glaube trotzdem, dass es ihr Sicherheit gibt, ihn dort zu haben – auch wenn sie das nach außen vermutlich niemals zugeben würde. Zu wissen, dass der eigene Bruder irgendwo im selben Gebäude ist, kann bei einem solchen Neuanfang beruhigender sein, als man mit 13 gern zugibt.

Ist der Unterricht an der Gesamtschule leichter?

Ob der Schulstoff für Ciara jetzt wirklich leichter zu bewältigen ist, lässt sich noch nicht sagen. Das wird sich wahrscheinlich erst mit den ersten Klassenarbeiten zeigen – irgendwann zwischen den Herbst- und den Winterferien.

Der Wechsel bedeutet schließlich nicht, dass plötzlich alle schulischen Schwierigkeiten verschwunden sind. In Mathematik und Deutsch arbeitet sie weiterhin auf gymnasialem Niveau. Lediglich in Englisch besucht sie nun den B-Kurs und kann auf einem Niveau arbeiten, das hoffentlich besser zu ihrem aktuellen Leistungsstand passt.

Wir erwarten nicht, dass von nun an alles problemlos läuft. Wir hoffen aber, dass Ciara durch das Kurssystem die Chance bekommt, ihre Stärken zu behalten, ohne dauerhaft an einzelnen Fächern zu scheitern.

War der Wechsel die richtige Entscheidung?

Diese Frage kann ich heute noch nicht beantworten.

Vielleicht werden wir in einigen Monaten sagen, dass der Schulwechsel genau richtig war. Vielleicht werden die ersten Arbeiten zeigen, dass weiterhin viel Unterstützung nötig ist. Im Moment befinden wir uns noch mitten im Ankommen.

Der Wechsel beschäftigt mich auch mit Blick auf unsere jüngeren Kinder. Max könnte wahrscheinlich ebenfalls eine Gymnasialempfehlung bekommen. Ihm fällt vieles leichter. Trotzdem weiß ich heute nicht, ob ich das Risiko noch einmal eingehen möchte.

Ich fände es schlimm, wenn er nach einigen Jahren ebenfalls seine vertraute Schule verlassen und noch einmal ganz von vorne anfangen müsste. Ihm deshalb von vornherein die Chance auf das Gymnasium zu nehmen und ihn direkt auf die Gesamtschule zu schicken, würde sich aber ebenfalls falsch anfühlen.

Zum Glück müssen wir diese Entscheidung erst in etwa eineinhalb Jahren treffen.

Ein Neuanfang muss sich nicht sofort gut anfühlen

Ciaras Schulwechsel war bisher kein strahlender Neustart voller Begeisterung. Er begann mit Tränen, Unsicherheit und dem Gefühl, dass sie da jetzt irgendwie durchmuss.

Trotzdem geht sie jeden Morgen hin. Sie findet sich inzwischen im Gebäude zurecht, verbringt die Pausen mit ihrer besten Freundin und kommt mit ihren Sitznachbarn klar. Für weniger als zwei Wochen ist das vielleicht schon eine ganze Menge.

Ob sie in ihrer neuen Klasse ihren Platz findet und ob ihr das Kurssystem schulisch wirklich hilft, wird sich erst noch zeigen. Bis dahin versuchen wir, dem Ganzen Zeit zu geben.

Denn manchmal bedeutet ein mutiger Neuanfang nicht, dass man keine Angst hat. Manchmal bedeutet er einfach, dass man trotz der Angst losgeht.

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